Energiesparend und gesund lüften

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Frische und saubere Luft in den eigenen vier Wänden zu atmen, ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Heutzutage verbringen die Menschen immer mehr Zeit in geschlossenen Räumen und belüften diese oft nur unzureichend. Warum? Um Heizenergie zu sparen, müssen Wohngebäude immer luftdichter sein. Doch für das Lüftungsproblem gibt es eine alltagstaugliche Lösung.

Das Klimaschutzgesetz wirft seinen Schatten voraus: Ab dem Jahr 2021 wird es erstmals in den Sektoren Gebäude und Verkehr einen brennstoffspezifischen Preisaufschlag für die Kohlendioxidemissionen von fossilen Kraft- und Brennstoffen geben. Vorgesehen ist zunächst ein Einstiegspreis von 25 Euro pro Tonne CO2, der bis auf 55 Euro in 2025 steigen wird. Um den Verbrauch der fossilen Energieträger zu verringern, setzt der Gesetzgeber auf finanzielle Anreize zum Kauf und Einsatz klimafreundlicher Technik.

Immer dichtere Häuser

Die Klimaschutzbemühungen sorgen zukünftig für die umfassende Sanierung bestehender Gebäude. Somit werden diese immer energiesparender und damit luftdichter, wie bei Neubauten. Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen durchschnittlich 90 Prozent ihrer Zeit in geschlossenen Räumen verbringen. Die meisten wissen nicht, dass die Luft in Wohnhäusern unter Umständen bis zu fünf Mal höher mit Schadstoffen belastet sein kann als die Außenluft. Vor allem Kinder gelten als gefährdet, weil deren Schlafräume in vielen Fällen die am stärksten mit Schadstoffen belasteten Räume im Haus sind.

Nicht nur die Aktivitäten des täglichen Lebens im Haus belasten die Raumluft: zum Beispiel Kochen, Saubermachen oder Duschen oder das Trocknen von Wäsche. Laut Umweltbundesamt (UBA) können auch Bauprodukte, Möbel und andere Einrichtungsgegenstände sowie Spielzeug chemische Stoffe freisetzen – zum Teil kontinuierlich. Und selbst der Mensch beeinträchtigt die Innenraumluftqualität, weil er Kohlendioxid und Feuchtigkeit ausatmet. Eine Auswertung von wissenschaftlichen Studien zeigte einen deutlichen Zusammenhang zwischen Atemwegsinfektionen und feuchten, schimmeligen Innenräumen. Danach steigt die Wahrscheinlichkeit an Asthma zu erkranken, um 40 Prozent.

Richtig lüften ist schwierig

Sofern Bewohner nicht ausreichend lüften, steigt die Luftfeuchtigkeit in den Innenräumen beträchtlich an. Zirka zwei bis drei Liter Wasser (in Form von Wasserdampf) gibt durchschnittlich jeder Bewohner täglich an die Raumluft ab. Verursacht von normalen Aktivitäten wie Kochen, Waschen und Atmen sowie durch Zimmerpflanzen. Und auch für ein gesundes Wohnklima im neuen oder sanierten Haus ist frische Luft unabdingbar. So kommt es bei den Bewohnern nicht zu Müdigkeitserscheinungen oder zu Kopfschmerzen.

Die Bewohner müssen Fenster regelmäßig öffnen und stoßlüften. So beugen Sie Schimmelpilzbefall vor und vermeiden Bauschäden. Im Schnitt sollten Bewohner etwa alle zwei bis drei Stunden stoßlüften. Wobei die Lüftungsdauer von der Jahreszeit abhängt. Doch dies entspricht heutzutage nicht dem Alltag der meisten Menschen.

3-4 mal täglich lüften
Januar5 Minuten
Februar5 Minuten
März10 Minuten
April15 Minuten
Mai20 Minuten
Juni30 Minuten
Juli30 Minuten
August30 Minuten
September*15 Minuten
Oktober20 Minuten
November10 Minuten
Dezember5 Minuten
So lange sollte in den jeweiligen Monaten stoßgelüftet werden. Im modernen, hektischen Familien- und Arbeitsalltag ist das schwierig oder nicht zu realisieren.
*im September ermöglichen Temperatur und Luftfeuchtigkeit einen schnelleren Luftaustausch und damit kürzeres Lüften.

Erschwerend kommt hinzu: Bewohner belüften die Räume je nach Jahreszeit, Klima- und Windverhältnissen zu wenig, zu viel oder falsch. Oftmals vermeiden Hausbesitzer das Lüften auch aus diesen Gründen: wegen unangenehmer Gerüche im Freien, wegen des Straßenlärms, aus Angst vor Einbrechern oder um Heizenergie zu sparen. Daher ist der Einbau einer Wohnungslüftungsanlage die bessere Lösung. Denn sie sorgt für einen automatischen und kontrollierten Luftaustausch im Haus.

Vorteile von Lüftungsanlagen

Eine kontrollierte Wohnungslüftungsanlage sorgt automatisch und zugleich energieeffizient für den notwendigen Luftaustausch in allen Räumen. Auf diese Weise fördert sie die Gesundheit der Bewohner und schützt die Bausubstanz. Der kontrollierte Luftwechsel und eine Wärmerückgewinnung senken die Heizkosten zusätzlich um 30 bis 50 Prozent. Im direkten Vergleich zu den durch die Fensterlüftung verursachten Wärmeverlusten beträgt die Einsparung bis zu 90 Prozent.

Und es gibt noch weitere Aspekte, die das Wohlbefinden der Bewohner steigern: es kommt nicht zu einer ungesunden Kohlendioxid-Konzentration, die zu Müdigkeit oder mangelnder Konzentration führen kann. Denn etwa 15 bis 20 Atemzüge in der Minute mit einem Volumen von etwa einem halben Liter Luft macht ein Erwachsener im Durchschnitt.

Lärm bleibt draußen

Energiesparend und gesund lüften - Fenster auf
Auch in Häusern mit einem Wohnungslüftungssystem kann und darf man jederzeit die Fenster zum Lüften öffnen. Dann sollte die Anlage aber abgeschaltet werden. Bild: adobestock, britta60

Ein modernes Wohnungslüftungssystem transportiert die eingangs erwähnten Ausdünstungen und unangenehmen Gerüche aus neuen Möbeln und Baumaterialien ab. Und Lärm aus der Umgebung bleibt draußen. Am Tag und in der Nacht.

Eine interessante Zusatzausstattung sind spezielle Pollen- und Feinstaubfilter. Diese werden in den Außenluftstrom eingebaut und reduzieren so das Eindringen von Allergenen sowie von Ruß- oder Staubpartikeln in die Wohnräume auf ein Minimum. Eine enorme Entlastung für Kinder und allergiegeplagte Menschen. Und auch in Häusern mit Wohnungslüftung können und dürfen Sie die Fenster öffnen.

Große Produktvielfalt

Doch wo ist die Grenze? Wo manuelles Lüften nicht mehr problemlos möglich und ein maschinelles Wohnungslüftungssystem erforderlich ist? Um diese Frage zu beantworten, fordert die Lüftungsnorm DIN 1946-6 bei Neubauplanungen und umfangreicheren Sanierungen ein sogenanntes Lüftungskonzept vom Fachmann.

Lüftungsanlagen gibt es in vielen Variationen und Preislagen. Spezielle Renovierungssysteme erleichtern die Nachrüstung in bestehenden Gebäuden und (Eigentums-)Wohnungen, die energetisch hochwertig modernisiert werden. Für Baufamilien und Modernisierer ist es heutzutage kein Problem, das zu den baulichen Voraussetzungen, zu den Komfortwünschen und zum Familienbudget passende System zu finden (Tipp: Fördergeld nutzen!).

Hier gibt es Geld vom Staat!

Vor allem im Sanierungsfall sind Wohnungslüftungsanlagen förderfähig:

  • 1. Über die KfW-Förderbank: Im Programm Energieeffizient Sanieren 151/152 gibt es zinsgünstige Kredite sowie attraktive Tilgungszuschüsse. Für Einzelmaßnahmen gibt es zum Beispiel einen Tilgungszuschuss von 20 Prozent (maximaler Kreditbetrag: 50 000 Euro). Der Investitionszuschuss im Programm 430 ist eine einmalige Förderzahlung. Bei Einzelmaßnahmen erstattet die Kreditanstalt für Wiederaufbau hier 20 Prozent von maximal 50 000 Euro der förderfähigen Kosten.

  • 2. Wer seit dem 1. Januar 2020 in energetische Gebäudesanierungsmaßnahmen investiert, darf 20 Prozent von bis zu 200 000 Euro Kosten (maximal also 40 000 Euro), über einen Zeitraum von drei Jahren von der Steuer absetzen. Zu den förderfähigen Einzelmaßnahmen zählt, neben Dämmmaßnahmen sowie Fenster- und Heizungserneuerung, auch der Einbau einer Lüftungsanlage.

  • 3. In mehreren Bundesländern gibt es zudem befristete Fördermöglichkeiten, die – abhängig von Wohnort und Baumaßnahme – die Nachrüstung einer kontrollierten Wohnungslüftung oder auch die Installation im Neubau finanziell unterstützen. Nachfragen und recherchieren lohnt sich!
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